Pumpernickel-Verkostung: Konzentration ist angesagt.
Der Termin war Zufall. Am Tag nach der denkwürdigen US-Wahl trafen sich
gestern 13 Slowfoodies des CV Bochum in Katrin Manzkes
Manufaktur „im Glas“ in Bochum-Dahlhausen zu
einer westfälischen Brotzeit, die dem
Pumpernickel gewidmet war. Gleichzeitig sollten bei einer
Blindverkostung die Unterschiede von handwerklich und industriell
hergestelltem Pumpernickel herausgeschmeckt werden. Dabei zeigte es
sich, dass es auch bei kulinarischen Dingen unberechenbar ist, wenn man
"dem Volk aufs Mauls" schaut.
Entree zum fröhlichen Schmaus:
Pumpernickel-Türmchen mit westflischem Bierkäse,
Strammer Max vom Wachtelei und Preiselbeer-Leberwurst-Praline
Schinken und Rauchfleisch von der
Metzgerei Burchardt in Essen-Kupferdreh
Westfälische Käsespezialitäten von der Molkerei Söbbeke,
gekauft bei Karsten Buhr im Biom-Markt Bochum
Harzer-Käse-Spezialitäten
Bier aus Gelsenkirchen
Homemeade Pumpernickelparfait
mit Sauerkirschen und Sahne
Doch
bevor es zum fröhlichen Schmaus um die Schwarzbrotspezialität, Käse und
Schinken aus Westfalen, hausgemachtem Heringssalat und
Pumpernickelparfait sowie Gelsenkirchener Bier ging, wurde hart
gearbeitet. In der Blindverkostung wurden Pumpernickel von sechs
verschiedenen Herstellern getestet. Zwar liegen die Produkte von
Marktführer Mestemacher und anderer Großbäckereien in jedem Supermarkt,
doch „der Verbrauch von Pumpernickel geht immer weiter zurück“, bemerkte
Gunter Enking von der Traditionsbäckerei Enking’s Mühle in Emsbüren
Slow Food Bochum gegenüber. So bemüht sich Slow Food Münster auch,
Pumpernickel in die „Arche des Geschmacks“ aufnehmen zu lassen, die sich
der Förderung aussterbender Lebensmittel widmet.
Nach
den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches besteht Pumpernickel
ausschließlich aus Roggenbackschrot und/oder Roggenvollkornschrot. Die
vollen Körner werden warmem Wasser aufgequollen, damit sie backfähig
werden. Wird Pumpernickel aus Vollkornschrot hergestellt, so stammt die
zugesetzte Säuremenge zu mindestens zwei Dritteln aus Sauerteig. Die
Backzeit in geschlossenen Backformen muss mindestens 16 Stunden
betragen. Durch die lange Backzeit entsteht das typische karamellartige
bittersüße Aroma.
Häufig kommen aber noch weitere
Zutaten hinzu, die das Backergebnis gefälliger machen: Salz und
Zuckerrübensirup für den Geschmack oder Zuckercouleur für die Farbe.
Die vorbereiteten Verkostungsteller
Verkostet
wurden von Slow Food Bochum die Produkte von drei handwerklich
arbeiteten Betrieben, zwei industriellen Großbäckereien und ein
Bio-Pumpernickel. Vier der Probanden backen ihr Pumpernickel nach dem
ursprünglichen Rezept, zwei geben zusätzliche Zutaten hinzu: der
Marktführer Mestemacher und der handwerkliche arbeitende Betrieb
Haverland.
Holtermann, handwerklich arbeitender Familienbetrieb in Seppenrade:
Roggenvollkornschrot, Wasser und Salz, sonst nichts. 16 Stunden backt
das Brot bei von 190 auf 130 Grad fallenden Temperaturen.
Enking (handwerklich arbeitender Familienbetrieb in Emsbüren):
Wir stellen unser Brot frei von jeglichen Zusätzen aus täglich frisch
in unserer eigenen Mühle geschrotetem Roggen und Wasser her.
Haverland (handwerklich arbeitender Betrieb in Soest, gehört heute der Kuchenmeister GmbH in Werl). Neben Roggenvollkornschrot und Wasser werden auch Zuckerrübensirup, Salz, Gerstenmalzextrakt und Roggenmehl eingesetzt.
Prünte (industrielle Großbäckerei in Gelsenkirchen): Roggenschrot,
Wasser, Salz und Hefe. Mindestens 20 Stunden wird er in speziellen
Dampfbackkammern unter niedrigen Temperaturen um die 100°C gebacken,
oder vielmehr „dampfgegart“.
Mestemacher (industrielle Großbäckerei in Gütersloh): Roggenvollkornschrot, Wasser, Rübensirup, Salz, Malzextrakt (Gerste), Hefe.
Davert (Bio-Vertrieb in Ascheberg): Roggenvollkornschrot, Wasser, Meersalz.
Bei
der Verkostung wussten die Verkoster nicht, um welches Produkt es sich
jeweils handelte. Als Bewertungs-Kriterien wurden ihnen Farbe, Körnung,
Konsistenz, Duft, Geschmack vorgeschlagen. Nach der Verkostung aller
Brote vergaben sie vergleichend pro Brot 1 bis 6 Punkte, wobei die 6
Punkte für das Pumpernickel stand, das ihnen am besten schmeckte.
Anschließend wurden die Punkte zusammengezählt, so dass das Brot mit der
höchsten Punktzahl als das „beste“ war.
Das Ergebnis
war gewissermaßen ernüchternd. Die dem Slow-Food-Gedanken am nächsten
stehenden handwerklich in Familienbetrieben, nach traditionellem Rezept
gebackenen, eher herben und trockeneren Pumpernickel belegten die
letzten Plätze, während der gefällig aufgepeppte, süßlich-saftige
Marktführer Mestemacher auch hier den ersten Platz belegte. Platz 2
teilten sich bei gleicher Punktzahl Prünte und Davert.
Hier die Auswertung:
1. Mestemacher, 54 Punkte
2. Prünte, 46 Punkte
2. Davert, 46 Punkte
4. Haverland, 44 Punkte
5. Holtermann, 43 Punkte
6. Enking, 38 Punkte
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